Das Ranking-Tool meldet Platz 1. Im Analytics-Konto passiert trotzdem wenig. Kein Fehler im Tool, der Platz stimmt tatsächlich. Nur steht er inzwischen an einer Stelle, die kaum noch jemand zu sehen bekommt.
Über 1.000 Pixel bis zum ersten organischen Treffer
Tom Capper hat für eine aktuelle Auswertung gemessen, wie weit man auf einer Google-Suchergebnisseite nach unten scrollen muss, bis überhaupt das erste organische Ergebnis auftaucht. Im März 2026 waren es 560 Pixel. Drei Monate später: 1.017 Pixel. Fast eine Verdoppelung, in einem einzigen Vierteljahr.
Der naheliegende Verdächtige wären die AI Overviews. Die sind zwar tatsächlich größer geworden, erklären die Verschiebung aber nur zu einem kleinen Teil: Ihr Flächenanteil stieg zwischen Januar und Juni lediglich um 2,9 Prozentpunkte. Der eigentliche Treiber sind die Anzeigen. Der Anteil der Desktop-Suchergebnisse, die mit Werbung beginnen, ist um rund 50 Prozent gestiegen. Und die Anzeigenblöcke selbst sind ebenfalls gewachsen.
Wie stark es dich trifft, hängt davon ab, wonach gesucht wird. Bei rein informationsgetriebenen Suchanfragen belegen Anzeigen und Google-Elemente etwa 22 Prozent der Fläche. Bei kommerziellen Suchanfragen sind es 44,8 Prozent. Also genau dort, wo Geld verdient wird, wird es am engsten.
Zur Einordnung: Die Analyse umfasst rund 11.500 Suchbegriffe aus Großbritannien und den USA in einem bewusst kommerziell ausgerichteten Set. Sie ist damit nicht eins zu eins auf jede deutschsprachige Nische übertragbar. Die Richtung ist trotzdem eindeutig, und sie deckt sich mit dem, was wir bei unseren eigenen Einträgen beobachten.

Was uns dabei selbst auffällt
Unabhängig von Pixeln und Studien sehen wir bei den Betrieben im Verzeichnis eine zweite Entwicklung: Nutzerinnen und Nutzer werden wählerischer. Es wird nicht mehr reflexartig das erste Ergebnis angeklickt, sondern kurz abgewogen – Bewertungen, Name, Wiedererkennungswert, ob man den Anbieter schon mal irgendwo gesehen hat. Das betrifft praktisch alle Branchen, vom Handwerk bis zur Beratung.
Beides zusammen ergibt eine unangenehme Kombination: weniger sichtbare Fläche und gleichzeitig kritischere Klickentscheidungen.
Warum “Platz 1” als Kennzahl ausgedient hat
Die Position sagt dir weiterhin zuverlässig, dass kein anderes organisches Ergebnis vor deinem steht. Sie sagt dir nur nichts mehr darüber, ob dich jemand sieht. Nicht enthalten in der Zahl:
- wie viele Anzeigen davorstehen und wie hoch diese sind
- ob ein AI Overview ausgespielt wurde
- ob Shopping-Anzeigen, ein Local Pack oder andere Elemente dazwischenliegen
- ob dein Ergebnis überhaupt noch im sichtbaren Bereich beginnt
Umgekehrt reicht die reine Pixelposition auch nicht. Sie zeigt, wie weit unten es losgeht, aber nicht, welches Element dich nach unten drückt – und ob dagegen etwas zu machen ist.
Was du stattdessen anschauen solltest
Für deine wichtigsten Suchbegriffe lohnen sich drei Dinge. Nicht für alle, das wird sonst zur Beschäftigungstherapie:
Position in Pixeln statt in Rängen. Wenigstens für die Handvoll Begriffe, mit denen tatsächlich Umsatz zusammenhängt. Ein Platz 1, der bei 1.000 Pixeln beginnt, ist etwas anderes als ein Platz 3 bei 400.
SERP-Features dokumentieren. Notiere dir, was bei deinen Money-Keywords sonst noch ausgespielt wird. Erst daraus wird ersichtlich, ob dein Problem das Ranking ist oder schlicht die Fläche.
SEO und SEA auf dieselbe Suchergebnisseite schauen lassen. In vielen Betrieben laufen die zwei Themen getrennt, oft sogar bei unterschiedlichen Dienstleistern. Das führt dazu, dass niemand die Seite als Ganzes betrachtet.

Heißt das, du brauchst jetzt Google Ads?
Jein – und das ist ernst gemeint, nicht ausweichend.
SEO bleibt für kleine und mittlere Unternehmen das Fundament. Es ist der Teil deiner Sichtbarkeit, der dir gehört und nicht sofort verschwindet, wenn das Budget für einen Monat aussetzt. Daran ändert die Studie nichts.
Was sich ändert: Bei umkämpften, kommerziellen Suchbegriffen kann selbst ein organischer Spitzenplatz optisch unter der Wahrnehmungsgrenze landen. Dort kategorisch auf Anzeigen zu verzichten, ist eine Entscheidung mit Preisschild.
Unsere Empfehlung ist deshalb keine Budget-Verdopplung, sondern Zielgenauigkeit: Anzeigen dort, wo sie den größten Hebel haben – bei stark konvertierenden Begriffen kurz vor der Kaufentscheidung und bei lokalen Suchanfragen. Nicht breit gestreut über alles, was thematisch irgendwie passt. Genau daran verbrennen kleine Betriebe erfahrungsgemäß am schnellsten Geld.
Und eine Warnung noch: Wenn die Klicks zurückgehen, ist die Erklärung “wir werden ja trotzdem stark wahrgenommen” verlockend. Sie kann sogar stimmen. Belegt ist sie damit aber nicht. Sinkende Klicks als Branding-Erfolg zu verbuchen, ohne es zu messen, ist kein Reporting, sondern Selbstberuhigung.
Und der Teil, den Google nicht kontrolliert
Wenn eine einzelne Plattform selbst entscheidet, wie viel Platz deine organische Sichtbarkeit noch bekommt, ist die eigentliche Frage nicht “wie hole ich mir die Fläche zurück”, sondern: Wie abhängig bin ich eigentlich von dieser einen Seite?
Verzeichniseinträge, Branchenportale und lokale Profile sind kein Ersatz für Google. Wer das behauptet, verkauft dir etwas. Sie sind aber Wege, auf denen dich jemand findet, ohne dass Google entscheidet, an welcher Pixelposition das passiert. Für einen lokalen Betrieb ist es realistisch betrachtet der Unterschied zwischen einem Kanal und mehreren – und mehrere sind schwerer gleichzeitig kaputtzumachen.

Unser Fazit
Platz 1 ist weiterhin besser als Platz 8. Nur ist die Zahl allein keine Aussage mehr über Sichtbarkeit. Wer heute wissen will, wie es um seine Auffindbarkeit steht, muss sich die Suchergebnisseite ansehen, wie ein Nutzer sie sieht – von oben, mit allem, was davorsteht.
Und danach die unbequemere Frage stellen: Was passiert eigentlich mit meinen Anfragen, wenn Google die Fläche im nächsten Quartal noch einmal umverteilt?
GreaterWeb Redaktion
Das GreaterWeb-Redaktionsteam veröffentlicht praxisnahe SEO-Ratgeber, Local-SEO-Tipps und News für Unternehmen in Deutschland und Österreich.