Mitte September ist aus den europäischen Suchergebnissen etwas verschwunden, das jahrelang selbstverständlich war: die unbezahlten Produktkacheln über den Treffern und der Shopping-Tab. Kein Ranking-Update, keine Abstrafung, kein Algorithmus, den man analysieren könnte. Google hat abgeschaltet. Und zwar nur bei uns in der EU.
Wenn du einen Onlineshop betreibst, siehst du das gerade in deinen Zahlen. Wenn nicht, lohnt der Blick trotzdem, weil der Vorgang etwas zeigt, das jeden Betrieb mit einer Website betrifft.
Was genau verschwunden ist
Die organischen Product Grids, also die Produktkacheln mit Bild und Preis, waren für Shops jahrelang eine eigene Trafficquelle. Zwischen dem 15. und 17. September brach ihre Präsenz in den EU-Suchergebnissen massiv ein. Auswertungen von Productrise zeigen den Einbruch als steile Kante im Diagramm, nicht als Kurve über Wochen.
Der Shopping- beziehungsweise Produkte-Tab ist ebenfalls weg, zumindest sichtbar. Technisch existiert er noch: Wer &udm=28 oder &tbm=shop an eine Google-Such-URL hängt, bekommt ihn zurück. Nur macht das niemand, der einfach nur eine Bohrmaschine sucht. Aus Sicht deiner Kundschaft ist der Tab nicht mehr da.
An dieser Stelle lohnt eine Warnung, sonst verwirrt dich dein eigener Test. Wenn du jetzt nach einem Produkt suchst, siehst du mit ziemlicher Sicherheit trotzdem Produktkacheln mit Bild und Preis. Darüber steht aber Gesponserte Produkte, und Anzeigen sind von der Änderung nicht betroffen. Genau das ist der Punkt: Der kostenlose Weg in diese Darstellung ist weg, der bezahlte nicht.
Den echten Unterschied siehst du weiter oben, in der Leiste mit Alle, Bilder, News und Videos. Dort fehlt der Eintrag für Shopping. Ein Blick darauf dauert zwei Sekunden und sagt dir mehr als jede Meldung darüber.
Warum Google das tut
Hier prallen zwei Schwergewichte aufeinander. Die EU-Kommission hat Google eine Strafe von 460 Millionen Euro auferlegt, weil der Konzern sich bei Shopping, Hotels und ähnlichen Diensten selbst bevorzugt habe. Google bekam 60 Tage Zeit nachzubessern, andernfalls drohte die Kommission mit bis zu fünf Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
Google selbst hält die Anpassung für einen Rückschritt und spricht von der stärksten Verschlechterung der Suchqualität in 29 Jahren. Nick Fox, bei Google zuständig für Knowledge and Information, sagte gegenüber Reuters, die Änderungen verschlechterten das Nutzungserlebnis für Europäer, weil sie Online-Vermittler auf Kosten lokaler Unternehmen stärkten und hilfreiche Funktionen entfernten. Nutzer außerhalb der EU seien nicht betroffen.
Ob die Kommission die Umsetzung akzeptiert und ob Google noch einmal nachjustiert, ist offen.
Was jetzt an dieser Stelle steht
Statt des Produktrasters erscheinen zwei Blöcke: einer mit Vergleichsportalen und einer mit Geschäften, also echten Händlern. Bei den Vergleichsportalen taucht Google nicht immer selbst auf, sondern rotiert die Anbieter. Dadurch kommen auch kleinere Preisvergleiche prominent ins Bild, die vorher chancenlos waren.
Klickst du dort ein Produkt an, landest du direkt auf der Produktseite des Vergleichsportals. Nur bei Google selbst geht es weiter ins alte Shopping-Panel mit den Händlerdaten.

Den Effekt kannst du nachsehen, statt ihn zu glauben: In der Google Search Console filterst du unter Darstellung in der Suche auf Händlereinträge. Fällt dort ab Mitte September eine Kante, hast du deine Antwort. Weniger Klicks in diesem Bericht heißen übrigens nicht automatisch weniger Traffic insgesamt.
Wer gewinnt, wer verliert
Verloren haben vor allem Shops, deren einzelne Produktseiten stark über die Kacheln gefunden wurden. Gewonnen haben drei Gruppen: kleinere Preisvergleiche, die durch die Rotation häufiger sichtbar sind, etablierte Shops mit guten Kategorieseiten, weil der Traffic sich dorthin verlagert, und Google Paid Shopping. Ein Teil der Leute will Produkte nun einmal mit Bild sehen, und dieses Bedürfnis bedient jetzt nur noch die bezahlte Variante. Wer vorher kostenlos in den Kacheln stand und dort weiter auftauchen will, zahlt dafür.
Wenn du einen Shop hast, verschiebt das deine Prioritäten. Kategorieseiten werden wichtiger als einzelne Produktseiten, und indexierbare Filterseiten sind auch 2026 bei vielen Shops ein ungenutzter Hebel. Der Kontakt zu Vergleichsportalen lohnt jetzt, falls du dort bisher gar nicht stattfindest. Und deine Produktdaten pflegst du weiter, denn sie werden außerhalb der EU gebraucht, ChatGPT fragt händeringend danach, und in den KI-Antworten von Google fehlt die Shopping-Anbindung in der EU bisher nur, sie könnte jederzeit kommen.
Und wenn du gar keinen Shop hast?
Dann betrifft dich die konkrete Maßnahme nicht. Der Mechanismus dahinter schon.

Eine Sichtbarkeit, die dir nicht gehört, kann über Nacht verschwinden, ohne dass du etwas falsch gemacht hast. Hier war es eine Kartellentscheidung. Genauso gut kann es ein Produkt sein, das Google einstellt, eine Plattform, die ihre Regeln ändert, oder ein Konto, das gesperrt wird. Betriebe, die sich das leisten können, hängen an mehreren Fäden: an der eigenen Website mit einem Kontaktweg, der nicht über eine Plattform läuft, an Stammkunden, die dich direkt anrufen, an Einträgen in verschiedenen Verzeichnissen, an einem Newsletter, dessen Adressen dir gehören.
Das ist keine neue Erkenntnis. Aber solche Wochen sind ein guter Anlass, ehrlich zu zählen, über wie viele Wege dich jemand aktuell erreichen kann.
Unsere Haltung dazu
Für Nutzerinnen und Nutzer ist das Ergebnis schlechter geworden. Wer ein Produkt sucht, bekommt jetzt häufiger den Umweg über ein Portal statt der direkten Antwort. Dass es gegen Selbstbevorzugung eine Lösung brauchte, ist trotzdem nachvollziehbar. Nur ist die gefundene Lösung nicht gut gelungen.
Eines gehört dazugesagt: Google argumentiert, die Änderung stärke Online-Vermittler auf Kosten lokaler Unternehmen. GreaterWeb ist selbst so ein Vermittler, ein Verzeichnis zwischen dir und deiner Kundschaft. Wir profitieren also strukturell von Entwicklungen, die Plattformen entflechten. Rechne das bei unserer Einschätzung ruhig mit ein.
Dass der jetzige Zustand lange so bleibt, halten wir für unwahrscheinlich. Google probiert Dinge aus, und der Druck, Produkte wieder sichtbar zu machen, ist hoch. Für deine Planung heißt das: Baue nichts auf, das nur funktioniert, solange ein bestimmtes Suchergebnis bestimmt aussieht.
GreaterWeb Redaktion
Das GreaterWeb-Redaktionsteam veröffentlicht praxisnahe SEO-Ratgeber, Local-SEO-Tipps und News für Unternehmen in Deutschland und Österreich.