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Ratgeber

Rankingverlust, den es nie gab: Warum deine Zahlen gerade lügen

Google liefert seit Mitte September manipulierte Suchergebnisse an Tools, und ChatGPT verschwieg eine Woche lang, woher seine Besucher kamen.

GreaterWeb Redaktion 20. Oktober 2026 5 Min. Lesezeit

Wenn du in diesen Wochen in ein Ranking-Werkzeug schaust oder deine Besucherstatistik ansiehst, können dir die Zahlen einen Schrecken einjagen. Plätze verloren, Besucher weg, und das ohne erkennbaren Grund.

Es gibt derzeit zwei Entwicklungen, die genau so aussehen, ohne dass an deiner Website irgendetwas passiert wäre. Beide sind gut belegt, beide treffen alle gleichermaßen, und bei beiden ist das Richtige, erst einmal nichts zu tun.

Google liefert Suchergebnisse aus, die keine sind

Am 13. September registrierte der Tool-Anbieter Nozzle auffällig viele fehlgeschlagene Google-Abfragen. Ab dem 20. September kam etwas Unangenehmeres dazu: Ergebnisseiten, die technisch vollständig und völlig glaubwürdig aussahen, inhaltlich aber erheblich von den üblichen Trefferlisten abwichen.

Kein Fehler, kein Captcha, keine Warnung. Einfach eine Suchergebnisseite mit anderen Websites darauf. Auffällig oft tauchen dabei Plattformen wie Reddit, Facebook, LinkedIn oder Quora auf.

Die Größenordnung in Nozzles Stichprobe: Rund 8 Prozent der auswertbaren Ergebnisse waren betroffen, an einzelnen Tagen Ende September sogar etwa 27 Prozent. Seit Anfang Oktober liegt der Wert meist zwischen 5 und 11 Prozent. Bei einer betroffenen Abfrage verschwinden im Schnitt 58,6 Prozent der getrackten Websites aus den Top 10.

Die beruhigende Zahl steht am Ende: Bei 77,9 Prozent der manipulierten Suchergebnisse sind die gewohnten Treffer binnen drei Tagen wieder da. Auch SISTRIX bestätigt das Problem und geht inzwischen so vor, dass verdächtige Abfragen wiederholt werden. Besteht ein Ranking die Prüfung nicht, bleibt der letzte verifizierte Datenstand stehen, statt einen Einbruch zu melden, den es nicht gab.

Das Ganze betrifft nicht nur die USA, Europa ist ebenfalls dabei.

Für lokale Betriebe sieht es besser aus, aber nicht gut

Hier wird es für dich interessant, denn die beiden Teile einer Suchergebnisseite sind unterschiedlich stabil.

Der Kartenkasten mit den drei Betrieben, über den die meisten Anrufe hereinkommen, hält deutlich besser: Bei manipulierten Suchergebnissen blieben dort im Schnitt 60,5 Prozent der zuvor angezeigten Einträge erhalten. Bei den organischen Treffern darunter waren es nur 20,7 Prozent.

Kleine Geschäftsstraße mit Läden an beiden Seiten

Sicher ist man deshalb trotzdem nicht. Suchanfragen mit lokalem Bezug sind keine Ausnahme von dem Phänomen: Bei Suchen nach dem Muster „in meiner Nähe” lag der Anteil manipulierter Ergebnisse bei 11,4 Prozent und damit über dem Durchschnitt.

Für dich heißt das zweierlei. Der Kartenkasten ist die verlässlichere Größe, und ein gepflegtes Google-Business-Profil zahlt sich auch hier aus. Und wenn deine klassische Platzierung schwankt, ist das derzeit der Teil der Suchergebnisse, der am ehesten wackelt, ohne dass du etwas falsch gemacht hast.

Warum Google das tut

Es geht nicht gegen SEO-Werkzeuge und schon gar nicht gegen dich. Google erschwert damit großflächiges automatisiertes Abgreifen von Suchergebnissen, und zwar vor allem für KI-Anwendungen, die daraus ihre Antworten zusammenbauen.

Die Tools, die deine Platzierungen messen, fragen Google aber auf dieselbe maschinelle Art ab. Sie geraten also als Beifang in eine Abwehr, die jemand anderem gilt.

Der zweite Grund: eine Woche ohne Absender

Vom 8. bis zum 15. Oktober hat das ChatGPT-Interface bei fast allen Quellenlinks die Kennzeichnungen entfernt, über die ein Besuch seiner Herkunft zugeordnet wird. Weder die angehängten Parameter noch die Herkunftsangabe des Browsers kamen bei den verlinkten Websites an.

Die Folge: Wer in dieser Woche über ChatGPT auf deine Seite kam, erscheint in deiner Statistik als Direktzugriff, also so, als hätte die Person deine Adresse eingetippt. Dein Besuch aus der KI-Suche ist nicht ausgeblieben, er wurde nur falsch einsortiert.

Am 15. Oktober hat OpenAI den Fehler behoben. Ursache war offenbar die Umstellung der Oberfläche, nicht eine Entscheidung gegen die Nachvollziehbarkeit. Nebenbei hat Gemini im September kurz das Gegenteil getan und Parameter angehängt, die wenig später wieder verschwanden.

Was du jetzt tun solltest

Schau dir an, wer plötzlich über dir steht. Das deutlichste Erkennungszeichen einer solchen Attrappe sind Reddit, Facebook, LinkedIn und Quora auf Plätzen, auf denen sie bei deinem Suchbegriff noch nie standen. Wenn dich auf einmal ein Forenbeitrag vom Fachbetrieb aus der Nachbarstadt verdrängt hat, ist das plausibel. Wenn dich eine LinkedIn-Seite ohne jeden Bezug zum Thema verdrängt hat, schau in drei Tagen noch einmal.

Drei Tage warten, bevor du reagierst. Vier von fünf auffälligen Suchergebnissen haben sich in diesem Zeitraum von selbst erledigt. Was danach immer noch weg ist, verdient einen zweiten Blick.

In die Search Console schauen statt ins Ranking-Werkzeug. Die Search Console misst, wie oft deine Seite tatsächlich angezeigt und geklickt wurde. Sie fragt keine Suchergebnisseiten ab und kann deshalb auch keine manipulierten einsammeln. Der Preis dafür ist Geduld: Die Zahlen stehen dort erst mit ein bis zwei Tagen Verzögerung bereit. Genau diese Verzögerung ist in diesem Fall aber kein Nachteil, weil sie dich ohnehin vom vorschnellen Reagieren abhält.

Die Woche vom 8. bis 15. Oktober im Kopf behalten, wenn du Besucherzahlen vergleichst. Ein Knick bei den Zugriffen aus der KI-Suche und ein gleichzeitiger Zuwachs bei den Direktzugriffen sind in dieser Woche kein Zufall.

Nichts umbauen, was gestern funktioniert hat. Der größte Schaden entsteht meistens nicht durch den Einbruch selbst, sondern durch die hektische Reaktion darauf.

Das eigentlich Unangenehme

Beide Vorfälle haben wenig Schaden angerichtet. Die Suchergebnisse normalisieren sich, der Fehler bei ChatGPT ist behoben.

Unangenehm ist etwas anderes: In beiden Fällen sahen die Daten völlig normal aus. Keine Fehlermeldung, keine Lücke, keine Warnung. Nur Zahlen, die etwas anderes erzählten als die Wirklichkeit.

Deshalb lohnt sich die Gewohnheit, einen auffälligen Wert zunächst als Frage zu behandeln und nicht als Diagnose. Wer bei jedem Ausschlag die Website umbaut, optimiert irgendwann gegen ein Messgerät statt für seine Kundschaft.

#Google #Rankings #Monitoring #Local SEO #ChatGPT
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